EG Regatta 2008 veranstaltet von unseren Freunden vom Cascaruda Yacht Club
Aus Sicht der „Scarlet“ und meiner "Unverhofft kommt oft" oder "Der dritte Mann"
Wenn ich das Ganze richtig verstanden habe, sollten auf diesem Schiff ursprünglich Stefan, Karl und Hans fahren. Stefan meinte, er braucht einen vierten Mann, den Hans dann in Person von Walter schanghaite. Kurzfristig stellte sich heraus, dass weder Stefan noch Karl Zeit haben, eh klar, man wird ja von heute auf morgen schwanger und in der heutigen, schnellen Zeit dauert auch die Schwangerschaft nicht mehr 9 Monate. Plötzlich stand Hans mit seinem beinahe druckfrischem B-Schein und dezimierter Mannschaft als Regattakipper da. Glücklicherweise karrte Gerhard in letzter Minute noch den Altspatzen Hansi heran und so wurde die Crew wieder vollständig. Nach einer kurzen Vorstellung Dienstag spätabends bei Skipper Hans wurde mir die Steuerbordachterkajüte zugewiesen (welch Ehre) und er, im Salon schlafend, meinte, ich könne ruhig herumlärmen, es stört ihn nicht! Passt.
Mittwoch
Erweckt von der bestmöglichsten Bettlösekraft, nämlich der Geruch nach Kaffee und Ochsenaugen auf Speck, legte ich als Entree die Disc „Der Kaffee ist fertig“ auf, gefolgt von „Und wenn net morgen...“. Da hat sich gleich gezeigt, „Langsam wochs ma zam“, oder werden es zumindest. Im Nachhinein betrachtet, san mas schnell. Nachdem wir uns kurz beschnuppert und die Einklarierungsformalitäten erledigt hatten, ging es um 0900 zur Skipperbesprechung. Die Wetterprognose verhieß auffrischenden Jugo mit Böen bis 80 kmh und vernünftigerweise wurde beschlossen, den langen Schlag nach Kastela abzusagen. Als Alternative starteten wir nach dem Zdrelac, rundeten IZ über steuerbord und trafen uns zum Zieleinlauf vor der Einfahrt Iz Veli. Warum wir bei diesen Windverhältnissen als Einzige gen Zdrelac segelten, war mir nicht ganz klar, aber jeder, wie er will. Der Start fand um 1200 statt und die Wettfahrt dauerte bei optimalen Segelverhältnissen etwa 3 Stunden, was für den Anfang durchaus reichte.
Beim Vorwindschlag wurde mein Überlebenswille angetestet, nach einer Rehalse fand ich mich plötzlich mit den Kniekehlen an der Reling hängend wieder. Mit der Rechten hatte ich rechtzeitig die Genuaschot fassen können, in der Linken hatte ich den zum Ausbaumen vorbereiteten Bootshaken und im Mund den Tschik. Wurde samt meiner einem alles tadellos geborgen. Samt Tschik. Wie gewohnt, matchten wir uns mit Wasser Walter, aber etwas kam mir diesmal doch anders vor. Zum allgemeinen Erstaunen, auch unserem eigenem, lief Walter als erster durchs Ziel und wir als zweiter. Der Abend in Iz war dann wieder ein Event. Freundlicherweise standen genug Stapelsessel in der Marina, so konnten wir uns im Halbkreis um das Musicboat versammeln, die Gitarrespieler legten sich ins Zeug und unterschiedlichste „Melodeien“ kontaminierten den Hafen. Martin war etwas frustriert, meinte, mit diesem Material kann man nichts werden und vergoss seinen vorbereiteten Siegersekt über uns. Siehe Titel 1. Das ist für mich sowieso die Quintessenz des Regattasegelns unserer Art. Zuerst eine faires Match, dann ein gemütliches Zusammensitzen und pflegen der sozialen Kontakte. War wirklich ein gelungener Tag.
Donnerstag
Laut Aladin moderate Winde aus SE. Dementsprechend wurde der Kurs angelegt. Martin richtet seinen Spi her, da sehe ich einige Winddrehungen und meinte noch scherzhalber, wenn es so weitergeht, war die Arbeit umsonst. Es kam, wie es kommen musste. Murphy schlug zu. Der Wind drehte auf West und wurde ordentlich bissig. Nach einem Superstart konnten wir lange dominierend die Führung behaupten. Da fielen schon Ideen, segeln wir ihnen entgegen, aber das wäre schon Verhöhnung des Gegners. Die kleinen Sünden bestraft er sofort. Es kam, was kommen musste. Der Wind wurde böig, ich hatte nur kurz meine Position an der Großschot verlassen, um zu navigieren und wir handelten uns einen unfreiwilligen 360er ein. Nachdem das abgehandelt war, kam ! Wasser Walter ! auf. Das darauffolgende Duell bis zur Durchfahrt Tun m.-Tun v. waren vom feinsten, allerdings auch am Limit. Durch unsere Spielchen kam der Rest des Feldes auch wieder gefährlich auf (Eigentlich sollte man es besser wissen), aber Privatmatch ist Privatmatch. Mit dieser Durchfahrt hatte ich noch eine persönliche Rechnung offen, bin ich da schon einmal als erster eingelaufen und wurde als letzter ausgespuckt. Wasser Walter hat das gut angetragen, einen Wendewinkel von 130 Grad einberechnet und ist sogar damit beinahe nicht durchgekommen. Ich konnte meinem Skipper nicht einreden, später zu wenden, wir haben sogar noch früher umgelegt. Mut und Herz kann ich ihm nicht absprechen, wir haben die Durchfahrt mit Abständen 5m zum Ufer und 3m unter dem Kiel ( bei Lage ) geschafft, wobei uns jede See noch einen halben Meter zum Ufer versetzt hat. Da war es auf dem Schiff einige Minuten ganz leise. Nachdem wir das durchgestanden hatten, machten wir uns wieder an die Verfolgung von Walter.
Der war schon gut vorneweg. Nach uns müssen sich dort Tragödien abgespielt haben, jedenfalls sahen wir lange niemanden mehr. Angeblich gibt es ab dato sogar einen Plic Kuzmar. Jetzt segelten wir dem Teufel ein Ohr ab. Der Wind wurde rescher, wir refften ein und hätte der Schlag zur Ziellinie 2 Meilen länger gedauert, wäre es für Walter eng geworden. Mittlerweile hatte sich dort etwas Grundsee aufgebaut, kolportiert 4 m, jedenfalls konnten wir zeitenweise weder Zielschiff noch Gegner sehen. Die Kämpfer der Regattaleitung auf ihrer Badewanne haben mir da schon etwas Leid getan. Nach dem Zieldurchgang auf Platz 2 liefen wir in die Marina Veli Rat, wo es "erfreulicherweise" weder Einkaufsmöglichkeiten, noch offene „Stramme Hunde“, aber dafür Landstrom auf Bezahlung gab. Auf Grund des heutigen Ergebnisses wurde uns bewusst, der Vortag war kein Zufall und gaben uns die „Five“ Nach dem Motto „Wos ma net hobn, brauch ma net“ wurde statt "Schmutziger Löffel" Inventurkochen veranstaltet, hat durchaus gemundet und auch gesättigt.
Freitag
Dass heute der angesagte Südostwind mit 5 Bf stattfinden würde, konnte man schon in der Marina absehen. Wir kamen ziemlich spät zur Startlinie, was sich rächen sollte, denn das Großsegel ließ sich nur etwa einen Meter ausrollen. Ich versuchte es noch zu klarieren, aber mehr als ein zusätzlicher halber Meter war nicht drin. Außerdem meinte Hans, die anderen wären alle schon weg und wir sollten langsam auch etwas unternehmen. Blieb uns nichts anderes übrig, als nur unter Genua zu fahren. Vielleicht wollte uns die Scarlet damit zeigen, wie es bei diesen Windverhältnissen einfacher und gemütlicher geht, die Schiffe sind meistens eh gescheiter als die Crew. Anfangs wunderten wir uns, wo die Konkurrenz hinfährt und realisierten, wir konnten sagenhaft Höhe laufen, wobei die Schüssel schön neutral am Ruder lag. Bis zur Wendemarke Veli Tun Südhuk konnten wir uns auf den dritten Platz vorarbeiten und beim folgenden Vorwindschlag ohne störendes Groß die Nordhuk Sestrunje problemlos anliegen. Wir kamen Martin sogar so nahe, das wir ihn beim Runden dort auf der Innenbahn ordentlich putzten konnten. Richtung Ziellinie Plic Sajda war dann wieder aufkreuzen angesagt. Leider reichte unsere Höhe nicht ganz, um den Geschwindigkeitsnachteil auszugleichen, bei teilweise nachlassendem Wind fehlte doch etwas Tuch. So holte Martin uns dann wieder, in weiterer Folge auch Walter und konnte zumindest einen Sieg herausfahren. Der Einlauf hätte noch interessant werden können, da unsere Wende zu spät kam, wer rechnet auch mit einem Wendewinkel von 85 Grad, wir hätten die Ziellinie locker von hinten kreuzen können. Was für die Endplazierung keine Rolle spielte. Wie jeden Tag, wurde Mittagessen durch gute Haltung ersetzt, da muß ein Müsliriegel genügen und den Rest Adrenalin und Endorphine erledigen.
Zur letzten Wettfahrt traten dann nur noch 3 Schiffe an, bei denen sich nichts mehr geändert hätte, so wurde abgebrochen und wir lustsegelten noch bis Zadar weiter. Das letzte Stück nach Sukosan motorten wir und beendeten den Segeltag mit einem fröhlichen Mooringfangen. Bereits kurz nach dem Anlegen ging das Headhunten für das nächste Jahr los. Da haben scheinbar einige Blut geleckt. Am Abend wurde uns dann nach einem ausgezeichneten Abendessen unser zweiter Gesamtrang offiziell bestätigt. Nach den 3 etwas anstrengenden Tagen war bei mir die Luft draußen und ich verholte mich frühzeitig in die Koje. Glücklicherweise, denn um 0100 purrten mich die Heimkehrer wieder heraus und wir reminiszierten noch bis früh in den Morgen. Jedenfalls lernte ich auf diesem Törn, dass man eine Bavaria 34 auch mit gerefftem Großsegel ohne Vorsegel wenden kann, andererseits das Groß bei Starkwind eher hinderlich als hilfreich ist.
Resümee
Waren wirklich schöne Tage, bin froh, dass ich daran teilhaben durfte. Den Platz hat letztendlich das Viererteam Scarlet (ist super gelaufen), Hans (ein konzentrierter und ausdauernder Rudergänger), Walter (Genuadichter, zuwi zur Want bis auf a F…haar) und Hansi (Hüter der Großschot) herausgefahren.